404 Ich hasse meinen Server

Das Schönste, was einem passieren kann, wenn man sich über die Menschen™ ärgert, ist ein Computer. Während die Menschen nach Prinzipien wie „Ich Täter du Opfer“, wahlweise auch „Ich Master du Slave“, funktionieren, und man folglich den ganzen Tag mit lügenden Täterpersönlichkeiten, Verzeihung, engagierten Siegertypen kämpfen muss, ist das Verhältnis mit dem Computer geklärt. 

Der Computer macht, was man sagt und belügt einen nicht. Für jemand wie mich, der aus der Politik kommt, ein wohltuendes Gefühl. Denn in der Politik macht man nun meist die Erfahrung, dass viele lügen, selbst im privaten Umfeld ist man nicht davor gefeit. Das hätte ich mir natürlich vorher überlegen können, dass die Politik ein schmutziges Geschäft ist, in dem es um viel Geld geht. 

Aber erwartet man dies von den lieben Grünen, die den lieben langen Tag „Karl der Käfer“ singen und für sich in Anspruch nehmen, die Allermoralischsten und Wissenschaftsorientiertesten, also auch die Wahrheitsorientiertesten zu sein? Natürlich nicht. Aber wie es gekommen ist, so ist es gekommen, eine schöne Erfahrung. 

Zurück zu meinem Computer. Nach ersten Erfolgen hat sich nun wieder das Chaos eingestellt. Mein Server tut nicht, was er soll, und durch meine Untätigkeit der letzten Tage ist auch nicht mehr herauszufinden, warum er dies nicht tut. Zweite Frage, die sich anschließt, wäre zu fragen: „Was soll er eigentlich tun?“ und immerhin diese lässt sich klar beantworten: er soll Webseiten ausliefern, später gerne auch ein paar Honeypots hosten, denn es kommen bereits jetzt schon so viele Skripte aus der ganzen Welt vorbei, dass man denen, vor allem den chinesischen und den niederländischen, gerne mal einen Knüppel zwischen die Beine werfen will.

Denn dass diese Skripte – frech wie sie sind – einfach die Ports scannen, ist nicht akzeptabel. 

Als ich dies bemerkte, habe ich meinen Server kurzerhand heruntergefahren. Sicherheitsgründe! Als mein IT-Lehrer das bemerkte, gab es Ärger, denn wenn der Server händisch heruntergefahren wird, dann löst dies einen Alarm aus und im Rechenzentrum muss jemand aufstehen und auf einen Knopf drücken, damit der Server wieder hochgefahren wird. Sagte zumindest mein IT-Lehrer.

Ich habe ihm als Ausrede präsentiert, dass mein Server nach Jugendschutz-Kriterien funktioniert, also nur von 10 bis 22 Uhr offen ist. Wie ein Kiosk. Das hat er leider nicht akzeptiert. Mein IT-Lehrer ist fast wie mein Server: wenn etwas falsch eingerichtet ist, dann habe ich das selber gemacht und kann die Schuld nicht auf andere schieben. Sondern ich bin selbst der Master. Das heißt, ich muss putzen, aufräumen und die Struktur herbeiführen. 

Ich hasse meinen Server, das heißt, ich hasse in Wirklichkeit mich selbst und dass ich ihn in kürzester Zeit zum Absturz gebracht habe. Die Ordnung meines Servers ist die Ordnung in mir selbst. Die Grenzen meines Servers sind die Grenzen meiner Welt. 

Putzen und aufräumen, Master-Arbeiten, die nun erledigt werden müssen. Damit all die frechen Skripte befriedigt werden können. Mit einem 777 Trojaner, wenn sie verstehen, was ich meine. 

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