Chili-Adventskranz in Deutschlandfarben

Die Rubrik "Wie wird es besser" ist in diesem Blog für einige Zeit vernachlässigt wurden. Auch Michel Houellebecq, dessen Leben ich bekannterweise nachspiele, widmet sich in seinem neuen Essayband vor allem der Frage, wie es schlechter wird, so dass der Mangel an Lebensverbesserung vermutlich nicht weiter ins Gewicht fällt. An sich sind Hedonismus und Glück keine erstrebenswerten Lebensziele.

Dennoch will man ja nicht den Irrsinn aus den Augen blitzen haben, wenn man sich beim Vorstellungsgespräch hinsetzt oder mal zu einer Partei-Veranstaltung geht. Veranstaltungen der SPD fallen zwar üblicherweise unangekündigt aus, aber irgendwann wird auch die Partei der Normalität wieder in der Normalität angekommen sein. 

Kaum etwas dient mehr der Lebensverbesserung als die Ergotherapie, im Volksmund "Basteln" genannt. Vorstellungen werden in Wirklichkeit umgewandelt, das schafft Selbstwirksamkeit. 

Und weil ich nun mal kein Übermensch bin, sondern mit der einen oder anderen Härte des Lebens umzugehen hatte, wie sich den getreuen Blog-Lesenden bereits gezeigt hat, widmete auch ich mich der Ergotherapie. 

Schaffe etwas, was zu dir passt. Kehre zurück in die bürgerliche Gesellschaft! So die Aufforderung meines Therapeuten und meiner kleinen Freunde im Trollforum. 

Unbewusst ließ ich mich von meinen Wünschen leiten. Wahrlich begeistert hatte mich am ersten Advent das Sharepic von Genossin Engelmeier. Ich musste sehr lachen und auch meine Freunde, an die ich es weiterleitete, konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ich versprach "Michi", mir ihr ordentliches Leben als Vorbild zu nehmen und ebenfalls adventliche Stimmung in meine Wohnung einziehen zu lassen. Doch einen Tannenbaum, von dem ich Äste abreißen könnte, besaß ich nicht. 

Wer mein geheimes Geheimtwitter kennt, wusste, der konkrete Wunsch war schon Tage vorher in meinen Geist geflossen. Ja, ich würde die zackigen Chilipflanzen zu einem Adventskranz umwandeln. Sie waren im Laufe der letzten Tage erfroren, die Blätter zusammengeschrumpft, nur noch die bunten Früchte kündeten vom heißen Leben des Sommers. 

Wie ich es von meiner Familie aus meiner Jugend kannte, bog ich einen Torus aus Kaninchendraht und steckte die erfrorenen Chiliäste hinein. Etwas mit den Händen zu tun war wohlig und therapierte meinen durch Extremismus, Sex und Hass geprüften Geist in kurzer Zeit. 

Ich sah den Chili-Adventskranz an und sah, dass er gut war. Ja, ein großer Schritt zurück in die bürgerliche Gesellschaft. Viel besser, als einen Weihnachtsbaum zu stehlen (inzwischen verjährt). Ein Weihnachtsbaum ist bürgerlich, jedoch nicht ein gestohlener Weihnachtsbaum. 

Suum cuique! Jedem das Seine. Jeder soll zu seinem Recht kommen, so haben es sich die Preußen gedacht. Von den Nazis wurde dieser Spruch zweckentfremdet, so wie sie auch die Preußen nie wirklich verstanden haben, wie sich in dem Buch "Preußen – Geschichte eines Königreiches" nachlesen lässt. Suum cuique steht vielmehr für den Rechtsstaatgedanken. 

Suum cuique! Jedem sein eigener Adventskranz. Er muss passen. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mache Limonade daraus und wenn es dir Chilis gibt, dann bastele einen bürgerlichen Adventskranz. 

Bei längerer Betrachtung des Adventskranzes fiel mir auf, wie bürgerlich er doch ist. Es handelt sich nicht nur um einen Adventskranz, der selbst gemacht und rundum legal ist. Nein. Die Chilis leuchten gar in Deutschlandfarben. Schwarze Chilis, rote Chilis, goldene Chilis. Welch postantideutsche Vorsehung. 

So wertvoll ist die Ergotherapie. Gemütlicher zweiter Advent!







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