Nicht die Depression ist das Arschloch – du bist es

Ein schwerer depressiver Schub hat mich zu geistiger Klarheit gebracht. Oder die geistige Klarheit war von einem depressiven Erkennen begleitet. Um dies herauszufinden, hätte ich meditieren müssten, aber ich bin ja nun weder Buddhistin noch Jesuit. 

Nun wurde mir klar, warum die Anderen mich hassen: weil ich nicht mehr lache. Depression. Eine ekelhafte Krankheit, die einen zum Arschloch macht. Depressive sind abstoßend und uncool. Sie nerven mit ihrer Zurückhaltung und den vielen abschätzenden Nachfragen. Ein Gespräch wird unmöglich gemacht durch ständige unhörbare und hörbare Durchkreuzungen. Und immer sind die anderen schuld – viele schreiben: "Die Depression ist ein Arschloch". Irrtum! Du bist es. 

Nie klappt etwas. Termine werden verpasst und Deadlines gerissen. Technische Probleme en Masse. Nicht mal eine Videokonferenz kann durchgeführt werden, weil man Linux hat. Linux, das depressive Betriebssystem, wenn man es nur aus Coolness-Gründen nutzt und nicht, um seinen Server zu manipulieren. 

Depressives Essen: jeden Tag das selbe essen oder nur Brot. Oder Müsli. Depressive Drogen: dem Teufel Alkohol zusprechen. Depressiver Sex: Ja heißt ja. Ist es richtig, wie ich da anfasse, sage bitte unbedingt, ob es dir gefällt. Ich kann sonst nicht richtig ficken und es wäre unsensibel, wenn du mir kein Feedback gibst.

Es wird an allem herumgemeckert, weil einem Kleinigkeiten aufstoßen. Schutzlos wie eine Nacktschnecke gehen die Depressiven durchs Internet und suchen überall Aspekte, die ihnen nicht gefallen. Und sind dabei nicht in der Lage, ihre Probleme adäquat zu benennen. 

Sowas führt dazu, dass wir uns im Internet alle zerstreiten. Schuld sind auch die Depressiven. Neben den Geheimdiensten, den anderen Psychos (Paranoide, Borderliner, PTBS, Autisten, usw) und der Werbeindustrie. 

Und weil man nicht selber mit schuld sein kann, wird dann mit dem Finger auf die Trolle gezeigt, die wie Zauberwesen für den Streit im Internet zuständig sein sollen. No shit Sherlok – mit Sündenböcken haben wir in Deutschland doch eigentlich Erfahrung. Warum nicht für fünf Cent mehr nachdenken, innehalten, anstatt sich sofort aus der Depressiven-Höhle auf die Palme werfen zu lassen? Das können und wollen die Depressiven nicht, sie wollen uns nur ihre sozialen Normen aufzwingen, um nicht mehr unangenehm berührt zu werden. 

Von Depressiven lernen sollen wir, heißt es im unsozialen, auch depressiven Web. Warum eigentlich? Lernt doch erst mal selber was. Am besten über euer Gehirn. Menschen mit Serotoninmangel scheißen das Internet voll – Halte-Problem – und verlangen, dass wir nach ihrer Facon unglücklich werden. Das Internet ist voller Arschlöcher, die uns ihre ungesunde Lebensweise aufzwingen wollen, jedoch behaupten, dass wir, der Kapitalismus und die Anderen, die Arschlöcher sind. 

Diese Kackscheiße endet hier – bitte alle aussteigen. 

„Sei kein Arschloch!“ So rief ich mir zu. Und schon war es geschehen. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Flugs hatte ich die Berndkrankheit entdeckt, von der später die Rede sein wird, und mir die Depression, die auch aufgrund der anstrengenden Beziehungserfahrungen mit Berndkranken und Extremisten aufgetreten war, bewusst gemacht. Die Depression klingt ab. Erkenntnis!

Eine neue Bewusstseinsebene ist erreicht. Noch bin ich im Übungs-Modus, das heißt, mir passieren immer wieder depressive Dummheiten. Es ist nicht leicht. Und wieder ein Arschloch gewesen, wieder den Anderen im Regen stehen lassen. Ach, nicht so schlimm, es war eine Übung. 

Man kann es üben, kein Arschloch zu sein. Nicht die Depression ist das Arschloch, du bist es. Und für den Notfall habe ich mir Antidepressiva besorgt. Ehrensache. 



Kommentare

  1. "Solar Opposites" ist mein Lachsgenerator. Du könntest es mögen, aber vielleicht hasst du es auch.
    Es ist jedenfalls nur verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass die Protagonisten intelligente anthropoide Pflanzen sind (und als Korollar: dass nicht genderbar sind).

    Munzelte bei "Berndkrankheit" und harre gespannt der Dinge, die da kommen.

    AntwortenLöschen

Kommentar posten

Beliebte Posts aus diesem Blog

I put the Trolle in Selbstkontrolle

Anna und Arthur halten's Maul

Mein Trojaner