Eiskalte Engel

Variationen über Frigidität. 

Ich habe festgestellt, dass es sauschwer ist, geil über Frigidität zu schreiben. Ich komme dazu, mich im Social Web abzulenken, was auch was mit dem Thema zu tun hat, denn wer keinen Sex hat, spritzt ins Netz. Ausagieren im Social Web, was im Bett nicht mehr geht. 

Dieser Text ist der letzte Müll. Ja, es stimmt, ich bin unzufrieden mit diesem ersten Fragment meines Textes "Ich ficke Svenja Flaßpöhler". Privat und politisch. So in etwa gehört die Struktur und ich will das trennen, denn das Politische pöbelt in den Vergewaltigungsdebatten so sehr rum, dass die Frauen ihre Fragen an die Frigidität nicht stellen. Doch die Frigidität will befragt werden, auf dass sie schmelze und ihre Natur offenbare. 

Wie auch immer. Das Private ist schon mal in einer Form, die mir nicht gefällt, aber ich kann nichts tun, außer unzufrieden zu sein. Perfektionismus hat auch was mit Frigidität zu tun. Hypotextualisierung.




Das Private 


Im Traum fahren wir über Serpentinen durch die schneebedeckten Berge. Ich steuere das Auto. Mein Ziel ist es, spanische autonome schwarz gekleidete Frauen – Katalinnen oder aus dem Baskenland – zu finden. Sie könnten unsere Liebesbeziehung retten. 

Schnee steht für Frigidität. 


der körper ist ein tempel 
vergewaltigung ist nur ein gewitter 
der tempel muss wetterbeständig sein 
 (Krautchan) 

Frigidität ist total peinlich und verursacht viel Scham. In Liebesbeziehungen sorgt sie für Vereisung. Die Frigide fühlt sich wertlos und kann nichts einfordern. Keine Wünsche. Keine Ziele. Keine Langfristigkeit. 

Die Frigide hat keine Wahl. Nicht bei der Karriere, nicht beim Musikgeschmack und nicht in der Liebesbeziehung. Ob der eine oder der andere in meiner Vagina reibt, es fühlt sich ein bisschen angenehm an. Wie beim Höhlengleichnis. Ich spüre die Schatten der Vergangenheit, sie zucken andeuterisch und sind doch zu schnell wieder verschwunden, um sie wirklich fassen zu können. 

Ich gebe mir Mühe. Ich will dem Geheimnis der Sexualität auf den Grund gehen und bin Teil einer großen empirischen Studie. Ich bin wahllos. 

Sollte es wirklich wahr sein, dass Frauen von der Penetration keinen Orgasmus bekommen können? Ist das alles nur eine große christliche Lüge? Ich glaube an die Kraft der Natur, des Kamasutra und dass die großen Erzählungen unserer Welt keine patriarchalen Kontrukte sind. Ich will lieben. 

Vor einigen Jahren habe ich es aufgegeben, einen Orgasmus vorzutäuschen. Es war bei einem Mann, bei dem ich wusste, dass ich ihn nicht belügen kann. Die Gefühle funktionieren eben doch wie von selbst. Das weiß die Frigide nicht mehr. Sie lässt sich hin- und hertreiben, bis sie in einer grauen Vorhölle landet. 

Sagen Sie jetzt einfach nichts. 


Wer nichts sagt, ist schlecht im Bett, langweilig, nur ein Stück Fickfleisch. Der Mann kann nichts dafür, er fühlt sich nur schlecht, wenn er Gefühle hat, und wird sich nicht dauerhaft an die Frau binden wollen. Wenn er keine Gefühle hat, dann nutzt er sie wieder und wieder aus, ihre Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft, auf eine Familie, auf Kinder. 

Ich hatte noch einen Traum. Dieses Mal steuerte er das Auto. Er ließ es in Schrittgeschwindigkeit ungebremst an einen Metallzaun fahren, während ich auf dem Beifahrersitz saß. Es hat bestimmt schön gescheppert. Das habe ich leider nicht mehr gehört, weil ich vorher aufgewacht bin. 

Zum Weiterlesen: Sexualität und Trauma (PDF)

 Bild: arianta Lizenz: CC-BY-NC

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